Die funktionalen Verflechtungen zwischen Städten und Umlandgemeinden erreichen ein immer stärkeres Ausmaß. Gleichzeitig enden regionalwirtschaftliche Probleme nicht an den Stadtgrenzen. Im selben Kontext werden politisch administrative Strukturen den zunehmenden Aufgaben und Problemlagen nicht länger gerecht. Des Weiteren rückt die Diskussion um eine gerechte Kosten und Lastenverteilung zwischen Stadt und Umland stärker in den Mittelpunkt der (politischen) Diskussion. Die Stadt Graz erfüllt vielfach wesentliche Funktionen als regionales Wirtschafts-, Universitäts- und Tourismuszentrum. Sie beherbergt die großen Bildungseinrichtungen der Region und zieht damit zahlreiche junge Menschen aus dem Um- und Ausland an, die in weiterer Folge den Agglomerationsraum auch bewohnen und die kulturellen Einrichtungen nutzen. In diesem regionalen Beziehungsgeflecht bietet die Stadt den Großteil der Arbeitsplätze, der sozialen und technischen Infrastruktur sowie der zentralen Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen an. Das Wohnen verlagert sich im Gegenzug zunehmend in die Umlandgemeinden. Aufgrund dieser vielfältigen Funktionen ist auch der steirische Zentralraum von einer starken Suburbanisierung und Zersiedlung betroffen und durch eine starke Verkehrsbelastung geprägt. Hier besteht eine große Dichte angesiedelter Unternehmen (mit teilweise großen Betriebsflächen) sowie eine starke Durchmischung der räumlichen Funktionen (Wohn- bzw. Gewerbe- und Industriegebiete). Weiters ist der Raum gekennzeichnet von den zentralen hochrangigen Verkehrsträgern, die einerseits die Region durchschneiden und andererseits den Verkehr kanalisieren und vor Ort verstärken. Damit ergeben sich für die Städte als auch die angrenzenden Umlandgemeinden in diesem Bereich in ihrer Funktion als Wohn-, aber auch als Unternehmensstandort sowohl Standortvorteile als auch gemeinsame Problemstellungen. Die zentrale Herausforderung besteht daher darin, auf die Entwicklungsdynamik zu reagieren, um sozioökonomische Veränderungen und Wachstum zu ermöglichen. Im Sinne einer integrierten Stadtteilentwicklung sollten künftig Umlandgemeinden stärker in die (Stadt-)Entwicklung einbezogen werden, indem langfristige Entwicklungsoptionen erarbeitet, eine integrierte Stadtteilentwicklung in Gang gesetzt und Pilotprojekte realisiert werden. Die integrierte Entwicklung ermöglicht eine verstärkte Abstimmung mit dem Umland und verbessert damit auch die Rahmenbedingungen und Zugangsmöglichkeiten für die innerstädtischen Lagen.
In der Stadt Graz wurde bereits an zahlreichen innovativen Modellen und Strukturen zur effizienten Zusammenarbeit zwischen Städten und dem Umland gearbeitet. Zum einen geht es um die Förderung einer integrierten Entwicklung der Städte und des angrenzenden Umlands, zum anderen um die Analyse von Strukturen und Prozessen sowie gemeinsamen Instrumenten im Bereich Stadt-Umland. Derzeit stehen im Projekt die Diskussion und Festlegung von Planungsinstrumenten und -modellen der regionalen Steuerung, die sich in anderen Städten/Regionen bewährt haben bzw. international diskutiert werden (z.B. Regionalentwicklungsprogramme, Stadtentwicklungskonzepte, Bezirksleitbilder,andere rechtlich verankerte Planungsinstrumente) im Mittelpunkt. Weiters werden Planungsmodelle definiert, die auf andere Städte/Regionen umgelegt bzw. für die Städte/Regionen adaptiert werden können. Eine Darstellung von Finanzinstrumenten, die sich in anderen Städten/Regionen bewährt haben bzw. international diskutiert werden (z.B. Projektfonds, interkommunaler Finanzausgleich, PPP, EU-Stadtentwicklungsfonds wie etwa Jessica etc.) und die Umlegung derartiger Modelle auf andere Städte/Regionen bzw. Adaptierung für die Städte/Regionen werden einen zweiten Schwerpunkt im Rahmen des Projektes bilden. Derzeit bestehende Strukturen wurden laufend analysiert und die Abläufe, Prozesse und diversen Entscheidungskompetenzen definiert. Die Fragen, wie diese Prozesse optimiert werden können und wie die Umlegung von Best-Practice-Modellen auf andere Städte/Regionen erfolgen kann, standen im Mittelpunkt der letzten Netzwerktreffen. Bis zum Ende des gemeinsamen Projektes sollen vor allem die Strategieentwicklungen zwischen Städten und Umland (Ebenen und Bereiche) intensiviert, der Bestand der finanziellen und institutionellen Verflechtungen und Interaktionen (Risken/Chancen) sowie der Beitrag dieser Kooperationen zur Wirtschafts- bzw. Standortentwicklung und zur Erhöhung der Lebensqualität der Bewohner (Indikatoren) bearbeitet werden. |